Was ist unserer Bundesregierung das Leben der Menschen wert? (von Heinz Keller)

17. November 2014  Allgemein

Der Herzschrittmacher „Nanostim“ des Medizinproduktherstellers St. Jude Medical, der eine größere Gefahr als erforderlich für die Patienten darstellt, wurde in Europa und damit auch in Deutschland zugelassen. Es wird mit dem Produkt nicht nur in Herne, Bad Nauheim, Leipzig sondern auch im Klinikum Pforzheim gearbeitet. Auf die unterschiedlichen Gefahren zwischen einen herkömmlichen Schrittmacher und dem Schrittmacher „Nanostim“ wäre deutlich hinzuweisen, auch wenn dieser von vielen Ärzten als medizinische Sensation gefeiert wird. In Pforzheim unterblieb dieser Hinweis.

Dr. Andreas Keyser, Universitätsklinik Regensburg wird in der Politik Sendung Plusminus hierzu wie folgt zitiert: „So wie es sich jetzt darstellt, dürfte der Schrittmacher eigentlich nicht mehr zugelassen sein. Das Sterblichkeitsrisiko ist deutlich höher als bei herkömmlichen Schrittmacher.” Der Fachgebietsleiter Medizinprodukte Ravi Johannes Pazhur vom Spitzenverband des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen hält den Herzschrittmacher für ein Hochrisikoprodukt, das zu lebensbedrohlichen Komplikationen und Todesfällen geführt hat.

Dies bestreitet selbst der Hersteller nicht.

Er schreibt in den Informationen für den Umgang mit dem Produkt:

“Die Implantation darf nur dann durchgeführt werden, wenn:

– eine geeignete Notfallausrüstung zur Kardioversion, Defibrillation und kardiopulmonalen Reanimation zur Verfügung steht.

– eine geeignete Ausrüstung zur hochauflösenden Fluoroskopie zur Verfügung steht, einschließlich der Möglichkeit, Bilder aufzuzeichnen und zu speichern, Bilder zu vergrößern und in mehreren Projektionen zu erhalten”

Der Präsident des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Dr. Karl Broich hält eine weitere Implantation des Herzschrittmachers „Nanostim“ für ungewiss. Sein Institut sei besorgt über das Produkt und werde daher alle Maßnahmen die von ihrer Seite möglich sind ziehen.

Bei diesen Bedenken ist nicht nur die Bundesregierung sondern auch das Europäische Parlament gefordert. So lange ein Produkt nicht sicher ist, gehört es nicht auf den Markt.

Nach den Skandalen um gepanschte Brustimplantate und defekte Hüftprothesen hatte die Politik strengere Kontrollen und mehr Sicherheit für die Patienten versprochen. Was übrig blieb sieht man an der Zulassung des Herzschrittmachers „Nanostim“: Nichts!